Rituale

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Rituale zu bilden, seinen Tag zu strukturieren und somit gewisse Anker in seinem Alltag einzubauen, ist unheimlich wichtig. In meinen “Vorsätzen für ein gutes Leben” habe ich mir vorgenommen, dem Thema vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken. Es klappt mittlerweile seit vielen Wochen gut.

Wenn man beginnt, nach den dazugehörigen Stichworten im Internet zu recherchieren, wird man von den Suchergebnissen fast erschlagen. Einerseits gibt es zahlreiche Bücher zu dem Thema, andererseits gibt es auch mehrere Jahre Videomaterial auf Youtube. Bei den meisten Kandidaten mit ihren klassischen “Day in the life of XYZ..:” Videos hat man aber schnell das Gefühl, dass deren Tag aus einem Morgenritual, 4 Stunden Training im Gym, 25 Minuten Arbeit, 6 Stunden Tagebuchschreiben und einem Abendritual besteht, dicht gefolgt von 9 Stunden Schlaf ohne Smartphone.

Das war mir alles ein wenig zu krass.

Von Cornelia Fiechtl und auch anderen Menschen, die mir in der letzten Zeit so im Leben begegnet sind, habe ich doch einige Tools bekommen, um Rituale und Anker zu bauen. Wichtig ist für mich, dass man nicht einfach etwas macht, damit man es macht, sondern Energie, Kraft oder Entspannung daraus zieht.

Das erste Learning war somit: Es gibt nicht die einen Tools und das eine Programm. Vielmehr ist es auch ein Prozess, der sich verändern kann.

O2

Unser Gehirn/Körper hat ja die einzigartige Fähigkeit, gewisse lebenserhaltende Maßnahmen völlig eigenständig ohne Kommando vom Inhaber des Körpers durchzuführen. Dazu zählen so Themen wie Blut durch die Adern pumpen, Lebensmittel zu verdauen und zu atmen. Das ist echt praktisch, denn ansonsten wäre das schon ziemlich ungut, wenn wir uns rund um die Uhr alles selbst vorsagen müssten. 😉

Ich denke, wir brauchen jetzt nicht über die grundsätzliche Notwendigkeit von Atmen sprechen. Also das Luft holen und wieder rausblasen. Worüber man aber reden könnte, wäre das bewusste Atmen. Es kann lebensverändernd sein. Probier es einmal aus:

Setz dich aufrecht auf einen Stuhl, schließe die Augen und atme einige Minuten lang langsam bewusst ein und aus. Ein und aus. Ein und aus.

Versuche dabei das Ein/Ausatmen möglichst gleichmäßig nach einem Rhythmus zu gestalten und versuche weiters an nichts anderes zu denken, als an deinen Atem.

Es ist jedes Mal wieder unf***ingfassbar, wie gut mich ein paar Minuten Atemübungen quasi aus dem Alltagsleben reißen.

Am hilfreichsten ist es bei mir entweder nach einem stressigen Arbeitstag oder wenn mich der Gedanke an ein herannahendes Binge-Eating Ereignis überkommt. Das geht notfalls auch im Auto. Im stehenden Auto. Noch besser, wenn dir gerade niemand zusieht, es könnten sonst Fragen entstehen…

Den Tag starten

Abgesehen von den klassischen menschlichen Bedürfnissen am Morgen (Toilette, Duschen, Zähneputzen) gibt es für mich keinen Morgen ohne Kaffee. Guten Kaffee.

Vor einigen Wochen habe ich den Schritt gewagt und mir eine Siebträger-Espressomaschine zugelegt. Die Maschine hat den Vorteil, dass man nach einer arg komplexen Einstellungsphase einen extrem guten Espresso rausbekommt. Der “Nachteil” ist, man muss sich Zeit nehmen dafür – im Gegensatz zum Vorgängergerät, einem Kaffee-Vollautomaten.

Die Siebträgermaschine braucht frisches Wasser, sie will aufheizen, der Kaffee wird frisch gemahlen, die Maschine will gespült werden und im Idealfall heizt man auch noch die Tasse vor. Im Anschluss bedarf es absoluter Achtsamkeit, um die 18 Gramm Kaffeemehl in den Siebträger zu befördern, gleichmäßig zu verteilen und zu tampern. Während man den Wassertimer auf 25 Sekunden stellt, laufen im Idealfall 45ml Espresso in die Tasse. Mit dem behutsam umgerührten Espresso setze ich mich dann auf die Couch oder auf den Balkon und genieße das schwarzbraune Gold. Dazu brauche ich kein Smartphone, keine Musik und keine Zeitung. Ich brauch nur ein paar Minuten Ruhe dafür.

Das ganze Ritual dauert gerne mal bis zu 30 Minuten. 30 Minuten Zeit für sich selbst und das gleich zum Start in den Tag. Es gibt nichts Besseres.

Ich habe es davor schon mit Meditation, lesen, Tagebuch-schreiben etc. versucht. Das hat immer nur ein paar Mal geklappt. Ich habe mich damit nicht wohlgefühlt. Mein Kaffee-Ritual hat sich ganz von selbst entwickelt und es funktioniert fast jeden Tag. Egal ob Montag vor dem Büro, Donnerstag vor dem Homeoffice oder am Samstag vor dem Wocheneinkauf. Dafür ist einfach immer Zeit.

Irgendwann beginnt dann der Espresso-Doppio zu kicken und die Ruhe wird mir unheimlich :-). Das ist dann üblicherweise der Zeitpunkt, an dem der Alltag beginnen kann.

Den Tag beenden

Abgesehen von den oben erwähnten Atemübungen gibt es eigentlich nichts Fixes, was ich am Ende des Tages (oder am Ende des Arbeitstages) mache. Einzig der Weg, bis ich tatsächlich schlafe, hat sich verändert.

Abgesehen von Zähneputzen & Co ist neu, dass mein Notebook, Tablet und auch mein Handy nicht mehr ins Schlafzimmer mitwandern. Da ich mein Handy bislang immer als Wecker genutzt habe, habe ich mir nun so einen Wecker mit Vogelgezwitscher und Sonnenaufgangssimulation zugelegt. Die Verlockung, vor dem Einschlafen dann doch noch mal schnell zwei Stunden durch Instagram zu scrollen, fällt damit weg.

Vor dem Schlafengehen richte ich mir meine Sachen für den nächsten Tag zusammen und wiederum davor koche ich für den nächsten Tag vor.

Meistens schaffe ich dann noch ein paar Seiten im jeweils aktuellen Buch, das ich gerade lese. Entsprechend der Aufstehzeit, drehe ich dann 8 Stunden vorher das Licht ab und versinke meistens recht erfolgreich in das Land der friedlichen Träume.

Ob das am Abend jetzt ein Ritual ist oder nicht – keine Ahnung. Jedenfalls dürfte es sich positiv auf meinen Schlaf auswirken und nachdem guter Schlaf für die Entwicklung des Folgetages mitverantwortlich ist, macht das für mich schon Sinn.

Jetzt bist du dran. Was sind deine fixen Rituale am Morgen, am Abend oder einfach tagsüber? Schreib es mir unten in die Kommentare!

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